Die zweite Sicherung beim Abseilen: Unterschied zwischen den Versionen

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Die zweite Sicherung beim Abseilen ist im Altbergbau '''sehr wichtig'''. In den Schächten können neben Steinen die merkwürdigsten Dinge von oben nach unten fallen: Wassertropfen, Vertonnungsbretter, Fahrten und einzelne Sprossen, Karabiner, Pumpengestänge, Steigklemmen und sonstige Ausrüstungsgegenstände.
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Deswegen macht man es sich ohnehin zur festen Regel, nur ganz kurz nach oben zu lugen und ansonsten die Augen brav unterm Schutz des Helms nach vorn oder unten zu halten. Ganz schnell lernt man auch, beim Ruf „Achtung!“ oder besser „'''Steinschlag!'''“ nicht nach oben zu sehen, was da wohl kommt, sondern geht möglichst in Deckung und wartet gespannt, ob es einen diesmal erwischt. Die Moral von der Geschicht: ein Treffer schon eines kleinen Steins aus einiger Höhe auf die Schulter oder die Bremshand führt zu Reflexreaktionen und häufig zum Loslassen des Seils. In diesem Falle muß die Sicherung greifen, oder es geht ungebremst nach unten.
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Es gibt verschiedene Varianten, die Sicherung ins Abseilgerät zu integrieren. Bekannt und umstritten ist der Petzl-Stop, siehe oben. Läßt man den Blockierhebel los, verklemmen sich die Rollen des Abseilers und das Seil kann nicht weiter durchrutschen. Zum Hantieren und Umsteigen ist diese Variante, das Seil festzulegen, unschlagbar in Sachen Zeitersparnis. Zwei Probleme stehen der Nutzung als zweite Abseilsicherung entgegen: Zum einen kann bei sehr abgenutzten Rollen oder einem alten Seil der Abseiler durchrutschen, zumeist genügt aber auch in diesem Fall die verbleibende Bremswirkung zur Vermeidung des Absturzes. Viel schlimmer ist der Reflex des Menschen, sich im Fall eines Sturzes oder auch eines Steinschlags krampfhaft festzuhalten - man drückt dann den Sicherungshebel ein und genehmigt sich so einen ungehemmten Absturz. Weiterentwicklungen versuchen, diesen Mangel zu beheben, indem sie nur in einer Mittelstellung das Abseilen erlauben. Sie haben sich aber bisher nicht durchsetzen können. '''Der Sicherungshebel darf keinesfalls zur Regulierung der Seilgeschwindigkeit beim Abseilen verwendet werden''' - das macht ganz normal die Bremshand. Sonst ist der Sicherungsmechanismus und das Seil schnell verschlissen.
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Sicherer, wenn auch unbequemer im Hantieren, ist eine separate Abseilsicherung. Der Autor kommt persönlich bestens mit den Shunt zurecht (siehe Kapitel 14.5.5). Auch beim Shunt kann man im Fall eines Absturzes etwas falsch machen: krampft man sich am Gehäuse fest, zieht man dieses mit nach unten, auf den Klemmhebel wirkt keine Last und man marschiert trotz Shunt durch. Daher faßt man den Shunt so an, daß er einem ständig aus der
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Hand zu rutschen droht, nämlich auf Druck gegen die beiden Schrauben des Klemmhebels, wie in Abbildung 154 dargestellt. Die kleine Sicherungsschlinge für den Shunt darf zum Nachziehen nicht verwendet werden, zu groß ist auch hier die Versuchung, sich im Fall eines Sturzes an ihr festzukrampfen.
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Leicht passiert es, das man sich ungewollt beim Abseilen in den Shunt „hineinsetzt“. Er klemmt dann fest und der Abseiler ist entlastet. Dann kann man einen einarmigen Klimmzug am Gehäuse üben, um ihn wieder loszuziehen. Glücklicherweise muß man ihn nicht vollständig entlasten, da er wie gesagt etwas durchrutschen kann. Vorher legt man den Abseiler fest. Weniger sportlich Veranlagte suchen sich einen Halt im Schacht und entlasten den Shunt, worauf er sich wieder willig nachführen läßt, oder treten zur Not in die schnell eingebaute Handsteigklemme. Zum Schluß muß gesagt werden, daß sich ein Fall konstruieren läßt, in dem der Shunt trotz Loslassens nicht am Seil greift. Das betrifft aber das Klettern am Fixseil unter einer überhängenden Wand und ist somit für die Altbergbaubefahrung eher zweitrangig.
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Nicht so bequem in der Handhabung (speziell beim Lösen, wenn einmal festgegangen) wie der Shunt, aber ebenso universell einsetzbar und sogar in beide Richtungen wirkend (ein Plus am Quergang), ist der sogenannte Prussikknoten (Abbildung 145). Verwendet man diesen Klemmknoten zur Selbstsicherung, hat sich eine 6mm starke Schlinge als Optimum herausgestellt: bei einem größeren Durchmesser funktioniert die Klemmwirkung nicht mehr zuverlässig (geht auch, aber man muß drei Umschlingungen nehmen). Ein kleinerer Durchmesser ist nicht mehr sicher genug, da sich die verwendete Schlinge leider schnell abnutzt und im Fall eines Sturzes, wenn der Knoten bis zum Greifen 20, 30 cm am Seil läuft, die freigesetzte Reibungswärme zusätzlich zum lokalen Anschmelzen der Knotenschlinge führen kann. Letztlich sollte man bei häufigerer Verwendung von Seiltechnik doch zu einer mechanischen Selbstsicherung greifen.
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Aktuelle Version vom 9. Juli 2012, 10:00 Uhr

Die zweite Sicherung beim Abseilen ist im Altbergbau sehr wichtig. In den Schächten können neben Steinen die merkwürdigsten Dinge von oben nach unten fallen: Wassertropfen, Vertonnungsbretter, Fahrten und einzelne Sprossen, Karabiner, Pumpengestänge, Steigklemmen und sonstige Ausrüstungsgegenstände. Deswegen macht man es sich ohnehin zur festen Regel, nur ganz kurz nach oben zu lugen und ansonsten die Augen brav unterm Schutz des Helms nach vorn oder unten zu halten. Ganz schnell lernt man auch, beim Ruf „Achtung!“ oder besser „Steinschlag!“ nicht nach oben zu sehen, was da wohl kommt, sondern geht möglichst in Deckung und wartet gespannt, ob es einen diesmal erwischt. Die Moral von der Geschicht: ein Treffer schon eines kleinen Steins aus einiger Höhe auf die Schulter oder die Bremshand führt zu Reflexreaktionen und häufig zum Loslassen des Seils. In diesem Falle muß die Sicherung greifen, oder es geht ungebremst nach unten.

Es gibt verschiedene Varianten, die Sicherung ins Abseilgerät zu integrieren. Bekannt und umstritten ist der Petzl-Stop, siehe oben. Läßt man den Blockierhebel los, verklemmen sich die Rollen des Abseilers und das Seil kann nicht weiter durchrutschen. Zum Hantieren und Umsteigen ist diese Variante, das Seil festzulegen, unschlagbar in Sachen Zeitersparnis. Zwei Probleme stehen der Nutzung als zweite Abseilsicherung entgegen: Zum einen kann bei sehr abgenutzten Rollen oder einem alten Seil der Abseiler durchrutschen, zumeist genügt aber auch in diesem Fall die verbleibende Bremswirkung zur Vermeidung des Absturzes. Viel schlimmer ist der Reflex des Menschen, sich im Fall eines Sturzes oder auch eines Steinschlags krampfhaft festzuhalten - man drückt dann den Sicherungshebel ein und genehmigt sich so einen ungehemmten Absturz. Weiterentwicklungen versuchen, diesen Mangel zu beheben, indem sie nur in einer Mittelstellung das Abseilen erlauben. Sie haben sich aber bisher nicht durchsetzen können. Der Sicherungshebel darf keinesfalls zur Regulierung der Seilgeschwindigkeit beim Abseilen verwendet werden - das macht ganz normal die Bremshand. Sonst ist der Sicherungsmechanismus und das Seil schnell verschlissen.

Sicherer, wenn auch unbequemer im Hantieren, ist eine separate Abseilsicherung. Der Autor kommt persönlich bestens mit den Shunt zurecht (siehe Kapitel 14.5.5). Auch beim Shunt kann man im Fall eines Absturzes etwas falsch machen: krampft man sich am Gehäuse fest, zieht man dieses mit nach unten, auf den Klemmhebel wirkt keine Last und man marschiert trotz Shunt durch. Daher faßt man den Shunt so an, daß er einem ständig aus der Hand zu rutschen droht, nämlich auf Druck gegen die beiden Schrauben des Klemmhebels, wie in Abbildung 154 dargestellt. Die kleine Sicherungsschlinge für den Shunt darf zum Nachziehen nicht verwendet werden, zu groß ist auch hier die Versuchung, sich im Fall eines Sturzes an ihr festzukrampfen.

Leicht passiert es, das man sich ungewollt beim Abseilen in den Shunt „hineinsetzt“. Er klemmt dann fest und der Abseiler ist entlastet. Dann kann man einen einarmigen Klimmzug am Gehäuse üben, um ihn wieder loszuziehen. Glücklicherweise muß man ihn nicht vollständig entlasten, da er wie gesagt etwas durchrutschen kann. Vorher legt man den Abseiler fest. Weniger sportlich Veranlagte suchen sich einen Halt im Schacht und entlasten den Shunt, worauf er sich wieder willig nachführen läßt, oder treten zur Not in die schnell eingebaute Handsteigklemme. Zum Schluß muß gesagt werden, daß sich ein Fall konstruieren läßt, in dem der Shunt trotz Loslassens nicht am Seil greift. Das betrifft aber das Klettern am Fixseil unter einer überhängenden Wand und ist somit für die Altbergbaubefahrung eher zweitrangig.

Nicht so bequem in der Handhabung (speziell beim Lösen, wenn einmal festgegangen) wie der Shunt, aber ebenso universell einsetzbar und sogar in beide Richtungen wirkend (ein Plus am Quergang), ist der sogenannte Prussikknoten (Abbildung 145). Verwendet man diesen Klemmknoten zur Selbstsicherung, hat sich eine 6mm starke Schlinge als Optimum herausgestellt: bei einem größeren Durchmesser funktioniert die Klemmwirkung nicht mehr zuverlässig (geht auch, aber man muß drei Umschlingungen nehmen). Ein kleinerer Durchmesser ist nicht mehr sicher genug, da sich die verwendete Schlinge leider schnell abnutzt und im Fall eines Sturzes, wenn der Knoten bis zum Greifen 20, 30 cm am Seil läuft, die freigesetzte Reibungswärme zusätzlich zum lokalen Anschmelzen der Knotenschlinge führen kann. Letztlich sollte man bei häufigerer Verwendung von Seiltechnik doch zu einer mechanischen Selbstsicherung greifen.