Quartals- und Gedingezeichen

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Unscheinbarer sind dagegen die Quartalswinkel (Abbildung 29), mit denen ab dem 16. Jahrhundert jedes Quartal der Streckenfortschritt und zugleich die Vortriebsrichtung gekennzeichnet wurde.

Die Quartale bezeichnen Jahresviertel, und zwar

  • I Reminiscere: St. Luciae (13. Dezember) bis Fastnacht
  • II Trinitatis: Aschermittwoch bis Pfingsten
  • III Crucis: Pfingsten bis Kreuzerhöhung (14. September)
  • IV Luciae: Kreuzerhöhung bis St. Luciae.

SQL Manchmal beginnt Reminiscere am 1. oder 6. Januar, dann gibt es von Luciae bis Reminiscere ein Schluß-Quartal Luciae.

Nicht ins Bockshorn jagen lassen – es gibt verbürgte Fälle, in denen der Winkel in die falsche Richtung zeigt! Die Quartalswinkel wurden zuweilen mit Jahreszahlen und Entfernungsangaben kombiniert, im Revier Freiberg mußte ab 1785 am Ende des Quartals Lucia die Jahreszahl mit einem solchen Winkel kombiniert eingehauen werden. Abbildung 28 zeigt Beispiele für solche Tafeln aus dem Freiberger, Abbildung 30 ein Beispiel aus dem Marienberger Bergbau. Nach Adlung ([9]) stammt der Winkel von „L“ wie Lucia.
Früher gab es nach neuesten Forschungen (Adlung, unveröffentlicht) für jedes Quartal ein eigenes Kürzel:

  • Reminiscere „Z“
  • Trinitatis „T“
  • Crucis „G“
  • Luciae „L“

Leider gibt es noch keinen einwandfreien Beleg am Stoß in dieser Reihenfolge.


Eine andere Gruppe von Zeichen bilden die Gedingezeichen, kurz Gedinge. Ein Gedinge bezeichnet in den meisten Fällen eine Vereinbarung über eine bestimmte Arbeitsleistung gegen ein festgelegtes Entgelt, unabhängig von der benötigten Zeit (wie noch heute gebräuchlich als „Stücklohn-“ oder „Akkord-“ Arbeit). Das Gedingezeichen bildete den Ansatzpunkt zum Aufmaß des verdingten Abschnitts. Üblich waren Gedinge im Stolln- und Streckenvortrieb und beim Nachreißen von Firste und Stoß einer Strecke, aber auch beim Schachtabteufen und im Abbau wurde verdingt.
Für Mitteldeutschland (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Harz) typisch sind die in Abbildung 32 gezeigten Formen des Freiberger Gedinges. Bedingt durch die Wanderung der Bergleute ist es aber durchaus noch in anderen Revieren zu finden.
Im sächsischen Obergebirge (Verbreitungsgebiet etwa Schneeberg – Joachimsthal – Annaberg – Marienberg) trifft man neben dem Freiberger Gedinge auch die sogenannten „Mercedessterne“, das Schneeberger Gedinge häufig an (Abbildung 33). Gedinge waren üblich im 16. bis zuletzt ins 19. Jahrhundert, gelegentlich wurden auch die Gedingezeichen mit Zusätzen (Jahreszahlen oder dergleichen) versehen.