Kohlendioxid
Kohlendioxid, CO2, wird landläufig als „Kohlensäure“ bezeichnet, obwohl die Säure streng genommen erst nach der Lösung des Gases in Wasser vorliegt. Es handelt sich um ein farbloses, unbrennbares und geruchloses Gas mit knapp der 2-fachen Luftdichte. Im bergmännischen Sprachgebrauch spricht man von kohlendioxidreicher Grubenatmosphäre als von „Stickluft“ oder matten Wettern.
Im Altbergbau können höhere Konzentrationen als in der Atmosphäre über Tage entstehen, zunächst durch die Ansammlung des spezifisch schwereren Kohlendioxids in Bauen, aus denen es nicht abfließen kann (zum Beispiel hinter Verbrüchen, Abbildung 47) und in denen keine Wetterbewegung stattfindet.
Eine weitere Quelle von CO2 ist die chemische Umsetzung von Karbonaten wie Kalkspat, mit den aus der Zersetzung sulfidischer Erze unter Einfluß der Luftfeuchtigkeit freiwerdenden Säuren oder auch Huminsäuren aus durchtretenden Oberflächenwässern, auch Abwetter werden bisweilen in aufgelassene Baue geblasen. Hinweise auf einen von anderen Orten bekannten direkten Austritt von CO2 aus dem Gesteinskörper liegen aus der sächsischen Erzgebirge derzeit nicht vor.
Gasförmiges Kohlendioxid ist nicht eigentlich giftig (MAK (maximal zulässige Arbeitsplatzkonzentration) 9000 mg/m3), doch kann es in größeren Mengen durch Verdrängung des Sauerstoffs erstickend wirken. Dabei ist der Mensch relativ unempfindlich gegenüber Sauerstoff- Konzentrationsschwankungen, eine Verringerung des O2-Gehaltes der Luft um 25 % wird kaum empfunden, und selbst kleinste Außenluftraten von 0,36 m³/h reichen zur Deckung des Sauerstoffbedarfs einer Person aus. Kohlendioxid wirkt also nicht durch die Verdrängung des Sauerstoffs der Luft, sondern es blockiert den Gasaustausch in der Lunge zwischen Blut und Umgebungsluft. Der Mensch erträgt bis zu 2,5 % Kohlendioxid auch bei stundenlanger Einatmung ohne große Schädigung. Anteile von 8 % bis 10 % Kohlendioxid rufen Kopfschmerzen, Schwindel, Blutdruckanstieg und Erregungszustände, solche über 10% Bewußtlosigkeit, Krämpfe und Kreislaufschwäche und die über 15% Lähmungen hervor. Geringere Kohlendioxid-Mengen üben einen starken Reiz auf das Atemzentrum aus, so daß die Atmung beschleunigt und vertieft wird. So atmet der Mensch bei einem Kohlendioxid-Gehalt von 3% je Min. 6,5 l, bei 5% 12 l und bei 7% sogar nahezu 22 l Luft ein (Hyperventilation) [8]. Dauergähnen und ein plötzlicher Anstieg der Atemfrequenz, verbunden mit starkem Wärmegefühl und Schwitzen, sind die in der Praxis auffälligsten Merkmale für eine mit CO2 angereicherte Atmosphäre. Ein weiteres Anzeichen ist ein leicht verlöschendes offenes Geleucht, bei steigender Konzentration verändert sich Flammenform wie in Abbildung 48 dargestellt. Treten diese Symptome auf, sollte man größte Vorsicht walten lassen, sich gegenseitig kontrollieren und bei Verstärkung der Symptome umkehren, da fortschreitendes Einatmen zur Handlungsunfähigkeit und damit zum Verbleib in der verseuchten Luft führen kann - bei einem körperlichen Zusammenbruch können dann die höheren Konzentrationen am Boden den Rest geben. Wird auf einer Befahrung plötzlich jemandem schlecht, sind matte Wetter immer mit zu verdächtigen und entsprechende Beobachtungen durchzuführen! Wie beim Brunnenbau üblich, seilt man sich daher beim Abstieg in [[Schächte]9, in denen das Auftreten schlechter Wetter möglich ist, an, auch wenn man nicht klettern muß. Mehrere Befahrer bleiben oben, um im Notfall den Hinuntergestiegenen wieder herausziehen zu können. Kippt der erste um, wird nicht hinterher gefahren, solches Tun ist nämlich schon manchen zum Verhängnis geworden - der Totengräber hatte nach solcher Aktion nicht nur einen Kunden!