Und noch mehr

Aus Handbuch
Version vom 9. Juli 2012, 07:31 Uhr von Nobi (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Bisweilen sind besonders wichtige Stellen und Ereignisse mit Jahreszahlen versehen, was natürlich für den Forscher ein besonderer Grund zum Jubeln ist. Die bisher älteste, derzeit noch mehr oder weniger zugängliche Jahreszahl im erzgebirgischen Bergbau ist eine 1522 in Freiberg (Sachsen) und eine 1551 im Raum Glashütte (Sachsen). Jahreszahlen ohne Angabe der ersten zwei Ziffern stammen mit Sicherheit aus dem 16. oder 17. Jahrhundert (oder sind noch älter, aber das glaubt dann keiner mehr).
Nicht verwechseln mit Jahreszahlen darf man aber Entfernungsangaben, das muß man etwas nach der Fundsituation, der Schrift und ähnlichem beurteilen.

Daneben wurde noch alles mögliche in Stein verewigt – an die Schießtafeln in der Alten Elisabeth in Freiberg sei erinnert, es gibt Initialen als Erinnerung an verunglückte Bergleute, künstlerisch gestaltete Wappentafeln zur Erinnerung an die Besuche hoher Persönlichkeiten, Tafeln zum Gedenken an geglückte Durchschläge, Gewölbetafeln und so fort. Manchmal lassen sich solche Tafeln anhand der Grubengeschichte bestimmten Ereignissen zuordnen, dies ist der schönste Fall, oder ihre Entstehung verliert sich im Dunkeln – dann sind sie bisweilen Anlaß für Sagen, wie die Tafel des Hans Benel am Donatschacht in Freiberg oder die Drei Köpfe in der Grube Weißer Hirsch in Schneeberg.

Gerade bei Tafeln ist der Inhalt wichtig und so leicht per Skizze auf einem groben Handriß festzuhalten. Solche Tafeln sind tunlichts Untertage zu belassen, denn dort gehören sie hin. Droht den Tafeln Zerstörung oder sonstiges Ungemach, kann man über eine Bergung nachdenken. Vor Ort sollte man dann mindestens ein einlaminiertes Bild und den aktuellen Verwahrort der Tafel vermerken. Eine Kopie einzusetzen, ist auch möglich. In zwei Stunden Handarbeit hat man drei solcher Tafeln selber hergestellt – dies nur, um die Preise zu relativieren und etwas vom Anreiz gewerblicher Plünderer abzuknapsen.
Bisweilen wurden Tafeln auch schon im Betriebsablauf zerstört. Die authentischste Art, eine Tafel zu erhalten, ist eine Abformung herzustellen und diese nach einem Foto originalgetreu einzufärben. Wie’s geht, steht im Kapitel 10.6.

Neben all diesen hochwissenschaftlichen Dingen gibt’s natürlich auch jede Menge Spaß unter Tage. Männer sind doch Schweine, und so findet sich dort, wo sie unter sich waren, auch Erotik in Stein und Ton. Die heile Welt oder auch Propaganda verewigte man im Bergwerk, zum Beispiel in der sehenswerten Maschinenkammer in Sadisdorf, in Annaberg und anderswo. Und kleine Neckigkeiten waren und sind an der Tagesordnung – die Teufelsstiege im Willi Agatz (Steinkohlen- und Uranbergbau im Döhlener Becken), die Mitteilungen der AG Weg und dezente Hinweise an die Mitarbeiter der Bergsicherungsbetriebe über ihr ewiges Zuspätkommen zeugen vom inneren Trieb des Menschen zur fröhlichen Bosheit.