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Kommen wir nun zu den unmittelbaren Vorarbeiten einer Aufwältigung: erste Sondierungen bei verdeckten Zugängen. Um nur wenig abgedeckte Schächte oder Stollenmundlöcher zu suchen und für die nachfolgende Schürfgrabung genau zu lokalisieren, ist die Peilstangensondierung gut geeignet. Dabei wird eine schwere, angespitzte Eisenstange (Bullenpfahl) von bis zu 4 m Länge von Hand unter ständigem Wiederherausziehen und Drehen der Stange im Loch (Erweitern des Bohrlochs, Abbildung 70) in Richtung des vermuteten Hohlraumes in den Untergrund gerammt.

Das macht man solange, bis man einen Hohlraum geortet hat oder auf ein Hindernis (beispielsweise einen großen Stein)gestoßen ist. Die Sondierung erfolgt von Hand, auch wenn das auf die Dauer anstrengend ist, nicht etwa mit einem Hammer wie bei geologischen Untersuchungen mit dem Bohrstock, da man beim Vortreiben der Stange von Hand recht gut Holz, Eisen oder Stein als Hindernisse unterscheiden kann, die Stange nur selten unbeabsichtigt ins Loch fällt und außerdem Lärm in der Natur vermieden wird.

Bei einiger Erfahrung bemerkt man am Bohrfortschritt, ob es sich um lose oder dicht gepackte Auffüllung oder gewachsenen Boden handelt. Die lose Auffüllung kann - im Gegensatz zur dichter liegenden Haldenschüttung der Umgebung (vorher dort einige Probesondierungen durchführen) - ein Hinweis auf Verfüllmassen über Schächten oder Stollenmundlöchern sein, da diese Massen durch Ausspülung in den darunterliegenden Hohlraum Feinbestandteile verloren haben und daher aufgelockert sind.

Hat man bei der Suche nach einem Schacht zum Beispiel mit der Peilstange eine angefaulte Holzbühne durchschlagen oder ist zwischen Schienen herausgekommen, kann man - nachdem man sich besser irgendwo angeseilt hat - bei geschicktem Arbeiten das Bohrloch so erweitern, daß ein Teil der sonst bei einem Schurf auszuhebenden Massen durch das Loch nur unter Zuhilfenahme der Peilstange in den Schacht fällt und nicht mühsam nach über Tage ausgefördert und im Gelände verteilt werden muß. Das ist in Gegenden, wo man die Befahrer und ihre Löcher nicht besonders liebt, recht zweckmäßig; für die wenige nach unten gefallene Masse findet sich unter Tage immer ein Platz, wo sie nicht im Weg herumliegt. Ist an der Tagesoberfläche ein großes Loch entstanden, baut man es wie unten beschrieben zum Zugang aus oder deckt es zunächst so ab, daß niemand hineinfallen kann oder sich belästigt fühlt.

Ein Schurf wird angelegt, wenn mit der Peilstange allein nichts auszurichten ist (bei sehr steiniger oder dichtliegender Auffüllung, Abmauerungen, Gewölben, Betonplomben oder ähnlichem) und ein Zugang durch Verfüllmassen hindurch geschaffen werden soll. Die Grabung kann horizontal (offener Graben) oder vertikal (Schurfgrube oder -schacht) erfolgen, schräge Schurfschächte sind - bis auf kurze zum Erreichen eines Mundlochs - wegen des komplizierten Ausbaus für den Befahrer unzweckmäßig. Ist die Auffüllung nicht standfest, baut man den Graben oder Schacht aus. In Kapitel 12.1 ist der Ausbau beschrieben.

Werkzeuge zum Anlegen eines Schurfes, die auch für untertägige Aufwältigungsarbeiten brauchbar sind, werden in Abbildung 71 gezeigt. Neben Kreuzhacke, Spaten, Schaufel und Eimer (a ... d) kommen bergbau- beziehungsweise befahrerspezifische Geräte zum Einsatz, die sich auch in der Höhlenforschung Beliebtheit erfreuen und kurz beschrieben werden sollen.
Da ein Schurf nicht zu groß werden soll (Naturschutz, Arbeitsaufwand, Sichtbarkeit) und in der Regel 1 m bis 1,3 m im Quadrat mißt (Schacht) bzw. 0,5 m bis 1m breit ist (Graben), hat man wenig Platz zum Arbeiten. Deshalb werden die Werkzeugstiele eingekürzt und der Stiel oder das Werkzeug geringfügig verändert.

Die normale Bauschaufel (c) wird gekürzt, das Blatt schmaler gemacht und sie bekommt einen Henkelgriff (e). Aus der sperrigen Kreuzhacke (f) wird eine Keilhaue (f’), indem man das flache Ende abschneidet und den Stiel etwas kürzt. Statt der Schaufel kann man Kratze (g) und Trog (h) verwenden, man zieht mit der Kratze Masse auf den Trog und kippt diesen hinter sich in das bereitstehende Fördergefäß aus oder reicht ihn in einer engen Strecke weiter. Bei übertägigen Aufwältigungen oder bei großen Stollnquerschnitten verwendet man statt des Troges ein großes Schaufelblech, auf welches man die Masse zieht und welches das Darunterfahren mit der Schaufel sehr erleichtert. Man kann auch ganz gut statt mit einer Schaufel mit einem Armee-Feldspaten graben, den man wahlweise als Schaufel oder Kratze einsetzt. Sind in der Auffüllung große Steine, bewegt man diese mit der langstieligen Keilhaue (f) oder Brechstange (i) und zerkleinert sie mit Hammer und Meißel. Auch die Stiele großer Hämmer werden zweckmäßig eingekürzt. Zum Reinigen verschlammter Abflußrohre (in Stollenmundlöchern oder unter Mauern) sowie der Wasserseige sind verlängerte Ofenhaken und -kratzen geeignet.

Bei der Aufwältigung versetzter oder verbrochener Strecken unter Tage hat man oft das Problem, daß man die Masse über eine längere Stecke in höchst unbequemer Enge transportieren muß, bevor man sie irgendwo ablagern kann. Mit Eimern ist das Schinderei, besser geht es mit einem Schleifkasten. Dieser ist aus Metall, Holz (selbstgebaut nach historischem Vorbild) oder einem aufgeschnittenen Plastekanister, siehe Abbildung 73.

Am Schleifkasten wird vorn und hinten je ein Seil zum Ziehen befestigt, im günstigsten Falle kann der „Fördermann” von der Stelle aus den gefüllten Kasten zu sich ziehen, an der die Masse abgelagert wird und derjenige, der gräbt, zieht den leeren Kasten am anderen Seilende wieder zu sich (Abbildung 74). Geht das nicht, bleibt einem nichts weiter übrig, als sich den Kasten zum Beispiel am Gürtel anzuhängen und damit auf allen Vieren durch die enge Strecke zu kriechen oder, wenn man noch gebückt laufen kann, ihn am Strick hinter sich herzuziehen. Man achtet darauf, daß der Schleifkasten abgerundete Formen besitzt, damit er nirgens hängenbleibt und daß die Sohle, worauf er gezogen wird, eben ist, damit man ihn nicht mehrmals unterwegs wieder füllen muß. Ist die Strecke breit genug, kann man den Schleifkasten oder Eimer auch mit einem kleinen Handwagen transportieren.