Gurte

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Nächst dem Seil sind die Gurte die wichtigsten Utensilien bei der ganzen Seiltechnik. Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Sitzgurt. An ihm werden Abseilund Aufstiegsgeräte sowie die Sicherungsschlingen befestigt. Der straffe Sitz der Bruststeigklemme wird durch einen zusätzlichen Brustgurt oder auch nur eine verstellbare Bandschlinge erreicht (Abbildung 147).

Ein guter Sitzgurt sitzt überall straff, ohne zu drücken. Auch bei längerem Sitzen wird die Blutzirkulation nicht beeinträchtigt (eingeschlafene Beine). Er ist über ausreichende Einstellschnallen an die Körperform des Befahrers und dessen Bekleidungszustand anpaßbar. Er läßt sich unproblematisch anlegen, hat genügend und stabile Ösen zum Einhängen von Material und Kleinkram (Karabinern, Abseilern, Schleifsäcken...) und ist überhaupt die Quadratur des Kreises. Generell ist ein vollwertiger Hüftgurt empfehlenswert, aus dem man auch bewußtlos kopfüber hängend nicht herausfällt - zum Muß wird ein solcher, wenn man auf einen regulären Brustgurt verzichtet und statt dessen ein Stück Schlinge verwendet.

Der Gurt muß gewährleisten, daß die Bruststeigklemme gut vor dem Körper sitzt - das heißt in senkrechter Position für guten Seildurchlauf, flach am Körper anliegend für gute Bedienbarkeit und in der Höhe straff fixiert, weil man durch eine lockere Steigklemme bei jedem Schritt zwischen 10 und 20 cm der aufgestiegenen Höhe beim anschließenden Hineinsetzen wieder einbüßt. Um viel Platz für das Verschieben der oberhalb der Bruststeigklemme befindlichen Handsteigklemme zu haben, soll die Bruststeigklemme und damit auch die entsprechenden Aufhängelaschen des Sitzgurtes möglichst tief sitzen - günstig knapp oberhalb des Bauchnabels.

Diese tiefe und starre Lage des Aufhängepunktes haben Klettergurte nicht, sie sind dehalb ungeeigneter als ein spezieller Speleogurt. Jedoch sind ein Klettergurt und eine verstellbare Bandschlinge, wenn sowieso vorhanden, erst einmal besser als gar nichts. Will man sich aber ernsthaft mit der Seiltechnik einlassen und sich nicht nur gelegentlich beim Fahrtensteigen oder einer Schachtpassage sichern, wird man um einen Speleogurt nicht herumkommen.

Nach Erfahrung der Autoren sollte man neben diesen Allgemeingültigkeiten auf folgende Punkte achten: Auf spezielle Polsterungen kann man getrost verzichten, da man sowieso genügend dicke Schichten Kleidung tragen wird. Ebenso ist ein spezieller Scheuerschutz nicht empfehlenswert - er macht den Gurt sperriger in Handling und Packmaß. Der Gurt wird besser als durch den Scheuerschutz geschont, wenn man ihn nur zu den Abseilaktionen anzieht und auf der anschließenden Befahrung ablegt. Das wird erfahrungsgemäß nur dann gemacht, wenn man den Gurt ohne Platzprobleme verstauen und einfach an- und ablegen kann. Zum Einhängen des Zentralgliedes sind, egal ob Zwei- oder Vierpunktaufhängung, Metallringe ungefähr 150 mal so günstig wie Bandschlaufen, gemessen an der Zeit, die man zum Anlegen des Gurtes braucht.

Zum lagerichtigen Fixieren der Bruststeigklemme und zur Befestigung der weiteren Seilgerätschaften dient ein Zentralkarabiner mit übergreifender Langmutter als Verschluß, der gleichzeitig Schließe für den Sitzgurt ist. Günstig ist die halbovale D-Form wie in Abbildung 148 links. Die dreiecksförmigen Deltaglieder wie in Abbildung 148 rechts erfüllen die selben Sicherheitsanforderungen, nur sammelt sich das Material gern in der Ecke an, beim halbrunden D-Glied verteilt es sich besser und es läßt sich einfacher hantieren. Da dieser Zentralkarabiner in alle Richtungen belastet wird, kann ein einfacher Karabiner mit Klinke (auch ein Schraubkarabiner) nicht eingesetzt werden - dieser hat über die Klinke nur eine geringe Belastbarkeit. Die Einbindung der Bruststeigklemme in den Brustgurt erfolgt ebenfalls günstig über ein kleineres D- oder Deltaglied.

Brustgurte sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Wichtig ist, daß der Brustgurt leicht und in weiten Grenzen verstellt werden kann, damit man ihn auch während des Aufsteigens nachstellen kann, wenn sich der Sitzgurt nach den ersten Belastungen zurechtgerückt hat und die Bruststeigklemme plötzlich wackelt.

Da das meist nur unvollkommen gelingt und ein straffer Brustgurt wiederum anderen Bewegungen hinderlich ist, ersetzt man ihn oft durch ein einfaches Stück Schlinge (Abbildung 147 Mitte und rechts). Dieses kann beim Aufsteig leicht nachgespannt werden und sorgt so für schlupffreies Aufsteigen, für die andere Zeit kann man es bequem lockern. Nachteilig ist bei dieser Variante, daß man im bewußtlosen Zustand leichter mit dem Kopf nach unten zu hängen kommt als bei Verwendung eines herkömmlichen Brustgurts. Da aber auch bei normaler Lage 10 bis 15 min unbeweglichen Hängens im Seil zu Bewußtlosigkeit und schließlich ernsten Kreislaufstörungen durch die fehlende Blutzirkulation führen, ist in einem solchen Falle ohnehin schnelle Hilfe erforderlich!

Zum Gurt dazu gehört die sogenannte Longe, auch als Selbstsicherung oder Sicherungsschlinge bezeichnet. Dies sind zwei unterschiedlich lange dynamische Seilstücken, die bei der Seiltechnik zum Zwischensichern erforderlich sind und ebenso wie die Bruststeigklemme fest in den Zentralkarabiner eingebunden sind. Es gibt Nobelausführungen fertig zu kaufen, man kann aber auch ein entsprechendes Stück Schlinge selber knoten, siehe Abbildung 149. Das kurze Ende der Longe ist einschließlich des eingehängten Karabiners etwa 30...35 cm lang, die Länge des langen Endes ist abhängig von der Körpergröße und dem Sitzgurt - man muß über die Spitze des eingehängten Karabiners noch etwa 10 cm hinausgreifen können. Da die Longe auch einmal einen Fangstoß vertragen sollte, ist eine dynamische Schlinge nicht unter 8 mm, besser ein Stück Kletterseil zu wählen.