Notfallset: Unterschied zwischen den Versionen

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Im Kapitel '''Persönliche Schutzausrüstung (PSA)''' erscheint jetzt eine Aufzählung von Materialien, die alle schön, nützlich und brauchbar sind und eins gemeinsam haben: sie kosten erhebliches Geld. Die beschriebenen Ausrüstungsgegenstände sind der Idealfall. Die Autoren kennen keinen sächsischen Befahrer, der sie alle beieinander hat. Gummistiefel, Bauhelm und zwei Taschenlampen genügen für die ersten Befahrungen durchaus – man muß aber die sich daraus ergebenden Grenzen respektieren!
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Ein kleines Notfallset gehört bei jeder Befahrung zur Ausrüstung dazu. Die im folgenden aufgezählten Ausrüstungsgegenstände machen zusammengenommen nur ein kleines Päckchen aus, welches nicht viel wiegt und sich in einer kleiner Curver-Tonne, zur Not auch in Einkaufstüten wasserdicht verknotet in einer kleinen Werkzeugtasche problemlos in eine Rucksackecke quetschen lässt. In einer Notfallsituation helfen diese Kleinigkeiten jedoch zumeist, durch rasche Bekämpfung der Anfänge größere Schäden zu verhindern. Daher sollte es auch immer am Mann getragen werden.
  
Gleiches gilt für die beschriebenen Basteltips in Sachen Ausrüstung, für die uns sicher westliche [http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B6hlenforscher Höfos] den Kopf runterreißen werden. Eine selbstgebaute Ausrüstung, deren Grenzen man kennt, ist besser als keine. Und wenn wir warten, bis sich in Sachsen eine gewachsenen Vereinskultur gebildet hat, in der sich der Anfänger eine gekaufte und TÜV-geprüfte Ausrüstung borgen kann - gibt es nichts mehr zu erforschen.
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Wenn man nur mal kurz in eine Strecke gucken geht, nützt es gar nichts, wenn das Ersatzgeleucht dann doch auf der anderen Seite des Verbruchs liegt.
  
== Helm ==
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Was gehört in das Notfallset? Zunächst, ganz klar, ein '''Ersatzgeleucht''', mit dem sich der Rückweg vom entferntesten Punkt des Befahrungsziels bewältigen läßt. Dazu das erforderliche '''Werkzeug''', um kleine Schäden am Geleucht gleich in der Grube beheben zu können. War hier früher die Karbidlampe unschlagbar, bei der nahezu jeder denkbare Schaden mit Schraubenzieher, Pfriem und Isolierband behebbar war, so lassen sich heute platz- und gwichtssparend weitere LED-Stirn- oder Handlampen mitführen. Teilweise können diese mit AA-Battterien betrieben werden. Unabhängig vom Zweitgeleucht kann man noch ein ''Cyalume-Leuchtstab'' (2 €), zum Beispiel bei Globetrotter Ausrüstung) ins Notfallset aufnehmen, um auf alle Fälle ein funktionsfähiges Geleucht fürs Ausfahren dabei zu haben.
Der Helm hat neben der Aufgabe, den Kopf des Befahrers formschön abzurunden und lichten Haarwuchs geschickt zu kaschieren, noch weitere Funktionen. Vornehmlich schützt er den Kopf und den Nackenbereich vor mechanischen Beschädigungen, zum Beispiel durch Steinschlag oder Anrennen an die Streckenstöße. Daneben dient er zur Aufnahme des Geleuchts, zumindest dessen leuchtender Teile.
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Die Dämpfung eines Stoßes oder Schlages auf den Helm funktioniert analog zur Seildämpfung. Ein starrer Helm, zum Beispiel aus glasfaserverstärktem Polyester wie früher im Bergbau üblich oder ein alter Baustellenhelm, gibt fast den gesamten Stoßimpuls an den Kopf weiter, was zu Stauchungen der Nackenwirbel führen kann. Diese Helme sind nur dazu gedacht, den Kopf vor Beschädigungen durch Anstoßen zu schützen, nicht zum Abfangen von Steinschlag. Bergsteigerhelme, die speziell zum Abfangen von Steinschlag entwickelt wurden, verformen sich im Fall eines Aufpralls. Dabei wird Energie verbraucht, der harte Stoß gedämpft und die auf Kopf und Helm wirkende Kraft wird geringer. Sie sind für den Einsatz im Altbergbau vorzuziehen und werden auch in der Höhlenforschung eingesetzt, es gibt auch eine Norm, welche die mechanischen Mindestanforderungen an solche Helme definiert.
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Weiterhin sollte das Notfallset energiereiche '''Nahrungsmittel''' enthalten: nicht zu knapp Dextro-Energen (x-mal eingepackter Traubenzucker, für die Befahrung ideal), Schokolade, Müsliriegel, Power-Bars aus dem Sportzubehör oder ähnliches, um einer Entkräftung begegnen zu können und im Fall erforderlichen langen Wartens dem Körper die Wärmeproduktion zu ermöglichen.
  
Weiterhin wichtig ist die Befestigung des Helms auf dem Kopf. Alle Helme sind mit mehr oder weniger verstellbaren Einsätzen zum Anpassen an die Kopfform versehen. Zweckmäßig ist eine Einstellung, die eine möglichst große Auflagefläche am Kopf erreicht und gleichzeitig einen etwas straffen Sitz des Helms garantiert - das gibt auch die geringsten Tragebeschwerden.
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Zwei '''Verbandspäckchen''' und dazugehöriges '''Heftpflaster''' zum Wundverband sollten nicht fehlen. Unabdingbar ist auch eine, besser zwei '''Rettungsdecken'''. Diese sehr dünnen, handlichen Kunststofffolien mit goldener oder silberner Oberfläche sind beidseitig metallbedampft, reflektieren die Wärmestrahlung und haben daher ein hohes Wärmeisolationsvermögen. Hüllt man sich in eine solche Plastikfolie ein, wird auch die Feuchtigkeitsverdunstung über die Kleidungsoberfläche verhindert und somit insgesamt die Wärmeverluste des Körpers drastisch gesenkt. Daneben wird eine Durchfeuchtung durch Tropfwasser verhindert. Das ist die Voraussetzung, daß zum Beispiel ein unbeweglicher Verletzter die Zeit bis zum Eintreffen der Hilfsmannschaft ohne Unterkühlung - und damit sinkender Abwehrfähigkeit des Körpers allgemein - überstehen kann. Optimal hat einer in der Befahrungsgruppe noch 20 m '''Zeltleine''' und ein paar '''Wäscheklammern''' dabei, um im Ernstfall mit den Decken aller ein Zelt zu bauen. Als Wärmequelle, Lichtquelle und gegen Depressionen sind eine '''Kerze''' und '''Streichhölzer''' mitzuführen. ACHTUNG! Die handelsüblichen Rettungsdecken sind brennbar!
  
Der Helm sollte auf jeden Fall durch solide Riemen unter dem Kinn gesichert werden, sonst wirft ihn der erste Stein herunter – und der nächste locht dann ein. Daß die Befestigungen für die Stirnlampe, Kabel- und Batteriehalter so ausgeführt werden, daß keine Schrauben nach innen Richtung Kopf überstehen – mußte dem Verfasser auch erst erklärt werden! Gut geeignet sind Nieten, Schrauben sollte man, wenn schon, mit dem Kopf innen plazieren.
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Ist man mit Seiltechnik unterwegs, sollten im Notfallset das Material für einen Flaschenzug enthalten sein. Dazu gehört ein Mal pro Seil-Team:
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* Einfachrolle mit Express-Set
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* Kapp-Messer
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* 2 Doppelrollen
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* 1 HMS-Karabiner
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* 2 "D" oder "O"-Schrauber
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* 1 Schnapper
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* Petzl ID
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* 25 Meter 9 mm Statikseil, schon vorbereitet mit 8er-Knoten an den Enden
  
Anbohren sollte man Helme generell nicht in Bereichen, die Steinschlag ausgesetzt sein können. Durch Bohrungen wird das Materialgefüge zerstört und es bilden sich an den Rändern der Bohrungen Haarrisse. Bei einer Verformung des Helmes entstehen Materialspannungen, die an den Enden dieser Haarrissen leicht die mehr als 20fache Stärke gegenüber dem unverletzten Material erreichen und so zur Zerstörung des Helms in Ernstfall führen können.
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Ansonsten kann man noch allerhand nützliche Kleinigkeiten ins Notfallset räumen, wie Flickzeug, Werkzeug, Ersatzteile für den Fotoapparat, Batterien/ Reserveakkus und so weiter. Man muß aber darauf achten, daß dadurch die Verfügbarkeit und Funktionalität des Notfallset auf keinen Fall eingeschränkt wird. Unabhängig davon sollte man selbstverständlich in regelmäßigen Abständen sein Set auf Vollständigkeit, ggf. Ladezustand und Brauchbarkeit prüfen!
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[[Kategorie:Befahrerhandbuch]]

Aktuelle Version vom 29. Juni 2012, 19:13 Uhr

Ein kleines Notfallset gehört bei jeder Befahrung zur Ausrüstung dazu. Die im folgenden aufgezählten Ausrüstungsgegenstände machen zusammengenommen nur ein kleines Päckchen aus, welches nicht viel wiegt und sich in einer kleiner Curver-Tonne, zur Not auch in Einkaufstüten wasserdicht verknotet in einer kleinen Werkzeugtasche problemlos in eine Rucksackecke quetschen lässt. In einer Notfallsituation helfen diese Kleinigkeiten jedoch zumeist, durch rasche Bekämpfung der Anfänge größere Schäden zu verhindern. Daher sollte es auch immer am Mann getragen werden.

Wenn man nur mal kurz in eine Strecke gucken geht, nützt es gar nichts, wenn das Ersatzgeleucht dann doch auf der anderen Seite des Verbruchs liegt.

Was gehört in das Notfallset? Zunächst, ganz klar, ein Ersatzgeleucht, mit dem sich der Rückweg vom entferntesten Punkt des Befahrungsziels bewältigen läßt. Dazu das erforderliche Werkzeug, um kleine Schäden am Geleucht gleich in der Grube beheben zu können. War hier früher die Karbidlampe unschlagbar, bei der nahezu jeder denkbare Schaden mit Schraubenzieher, Pfriem und Isolierband behebbar war, so lassen sich heute platz- und gwichtssparend weitere LED-Stirn- oder Handlampen mitführen. Teilweise können diese mit AA-Battterien betrieben werden. Unabhängig vom Zweitgeleucht kann man noch ein Cyalume-Leuchtstab (2 €), zum Beispiel bei Globetrotter Ausrüstung) ins Notfallset aufnehmen, um auf alle Fälle ein funktionsfähiges Geleucht fürs Ausfahren dabei zu haben.

Weiterhin sollte das Notfallset energiereiche Nahrungsmittel enthalten: nicht zu knapp Dextro-Energen (x-mal eingepackter Traubenzucker, für die Befahrung ideal), Schokolade, Müsliriegel, Power-Bars aus dem Sportzubehör oder ähnliches, um einer Entkräftung begegnen zu können und im Fall erforderlichen langen Wartens dem Körper die Wärmeproduktion zu ermöglichen.

Zwei Verbandspäckchen und dazugehöriges Heftpflaster zum Wundverband sollten nicht fehlen. Unabdingbar ist auch eine, besser zwei Rettungsdecken. Diese sehr dünnen, handlichen Kunststofffolien mit goldener oder silberner Oberfläche sind beidseitig metallbedampft, reflektieren die Wärmestrahlung und haben daher ein hohes Wärmeisolationsvermögen. Hüllt man sich in eine solche Plastikfolie ein, wird auch die Feuchtigkeitsverdunstung über die Kleidungsoberfläche verhindert und somit insgesamt die Wärmeverluste des Körpers drastisch gesenkt. Daneben wird eine Durchfeuchtung durch Tropfwasser verhindert. Das ist die Voraussetzung, daß zum Beispiel ein unbeweglicher Verletzter die Zeit bis zum Eintreffen der Hilfsmannschaft ohne Unterkühlung - und damit sinkender Abwehrfähigkeit des Körpers allgemein - überstehen kann. Optimal hat einer in der Befahrungsgruppe noch 20 m Zeltleine und ein paar Wäscheklammern dabei, um im Ernstfall mit den Decken aller ein Zelt zu bauen. Als Wärmequelle, Lichtquelle und gegen Depressionen sind eine Kerze und Streichhölzer mitzuführen. ACHTUNG! Die handelsüblichen Rettungsdecken sind brennbar!

Ist man mit Seiltechnik unterwegs, sollten im Notfallset das Material für einen Flaschenzug enthalten sein. Dazu gehört ein Mal pro Seil-Team:

  • Einfachrolle mit Express-Set
  • Kapp-Messer
  • 2 Doppelrollen
  • 1 HMS-Karabiner
  • 2 "D" oder "O"-Schrauber
  • 1 Schnapper
  • Petzl ID
  • 25 Meter 9 mm Statikseil, schon vorbereitet mit 8er-Knoten an den Enden

Ansonsten kann man noch allerhand nützliche Kleinigkeiten ins Notfallset räumen, wie Flickzeug, Werkzeug, Ersatzteile für den Fotoapparat, Batterien/ Reserveakkus und so weiter. Man muß aber darauf achten, daß dadurch die Verfügbarkeit und Funktionalität des Notfallset auf keinen Fall eingeschränkt wird. Unabhängig davon sollte man selbstverständlich in regelmäßigen Abständen sein Set auf Vollständigkeit, ggf. Ladezustand und Brauchbarkeit prüfen!