Arbeitsspuren und Gerätschaften

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Die bergbauliche Tätigkeit hinterläßt eine Menge Spuren, die sich an Firste und Stößen wiederfinden und auf ganz leichte Weise Rückschlüsse zulassen. Ein typisches Beispiel sind die Prunen (Brunen, Prunnen, ...), die Spuren des Eisens bei der Schlägelarbeit. An ihrer Ausrichtung läßt sich die Vortriebsrichtung ablesen, Abbildung 16.

Ebenfalls im alten Bergbau finden sich gelegentlich Lampennischen, in denen der Frosch (eine offene Öl- oder Fettlampe), eine Schalenlampe oder der Kuckuck stand (ein Kuckuck ist Ölkännchen mit Deckel und Docht, als „Leuchtmittel“ in einer Lampennische oder eingebaut in ein Holzgehäuse mit Reflektor, einer sogenannten Blende). Bisweilen findet man einen Lehmklumpen am Stoß, der als Kienspanhalter diente, und nicht weit entfernt die dazugehörigen Kienspäne (Abbildung 17).

Im jüngeren Bergbau lassen sich dagegen oft Reste von Bohrlöchern erkennen, mit Durchmessern bis 6 cm aus der Anfangszeit des Schießens (Sprengens) bis in den modernen Bergbau mit Durchmessern um 3 cm (Abbildung 18).

Noch größere Bohrlöcher in vertikaler Richtung deuten auf das Einkommen einer Erkundungsbohrung hin. Sind Prunen und Bohrlöcher kombiniert, kann es sich um das Nachreißen (Vertiefen, Erweitern allgemein) einer alten Strecke oder aber um Nacharbeiten von Hand an einer geschossenen Strecke handeln. Bohrlöcher mit unrundem Querschnitt sind von Hand oder mit einer alten Maschine gebohrt.

Treten in einem sonst geraden Streckenverlauf plötzlich starke seitliche und/ oder Höhensprünge auf, ist man möglicherweise an einem Durchschlag einer im Gegenortbetrieb (von zwei Seiten aus) aufgefahrenen Strecke gelandet. Der dabei aufgefahrene Bogen ist Absicht und kein Fehler des Markscheiders! Durch die Richtung der Bohrlöcher oder der Prunen kann man dies nachprüfen. An so einem Punkt sperrt man die Augen bezüglich Markscheiden, Stufen und Jahreszahlen besonders auf!

Bei genauerem Hinsehen entdeckt man bisweilen noch ganz andere Sachen, beispielsweise die in Abbildung 20 gezeigten Schleifspuren des Haspelseils am Stoß.

Wesentlich seltener als solche Arbeitsspuren findet man noch vorhandene Gerätschaften, wie Spankörbe (Abbildung 22), Krüge und Schalen, Bergeisen und Fimmel (Schlägel, der Holzstiel heißt auch Helm) aus dem ganz alten Bergbau, da diese Dinge natürlich für die Besitzer wertvoll waren und nicht ohne Not in der Grube gelassen wurden. Ein altes Geleucht (bergmännisch für Lampe) zu finden ist ein unwahrscheinlicher Glückstreffer. Aber auch die Laufbahnen für Spurnagelhunte (Abbildung 19), Wasserröhren (Abbildung 24), Haspel (Abbildung 21), Kerbhölzer (Abbildung 23) und so weiter wurden schon in alten Bauen des Erzgebirges gefunden. Öfter Glück hat man mit Flaschen, Karbidlampen und Gezähe (Arbeitsgeräten) aus dem Wismut-Bergbau. Alle diese Dinge, wenn sie denn erst einmal erkannt sind, sollten mit Vorsicht behandelt und lieber für eine weitere Befahrung liegengelassen als durch Hast zerstört werden. Zu Dokumentation und Bergung gibt es ein weiteres in Kapitel 10.7.