Bergeisen
Das Bergeisen (Eisen, Setzeisen, Stufeneisen) war ein länglicher Spitzkeil, welches meist an einem Stiel (Helm) befestigt und bei der Schlägel- und Eisenarbeit eingesetzt wurde.
Dazu wurde die Spitze des Bergeisens an das Gestein gesetzt und mit dem Schlägel auf die stumpfe Seite geschlagen.
Bergeisen konnten zwischen 8 cm und 20 cm lang sein, waren aus unterschiedlichen harten Eisen gefertigt und besaßen eine stählerne Spitze.
"Das erste Bergeisen, dessen sich die Bergleute täglich bedienen, ist 9 Finger lang, 1 ½ Finger breit und 1 Finger dick.", (Agricola (01))
Im Bereich des Öhr (Auges) waren die Bergeisen meist verdickt.
"Das Öhr des Bergeisens ist vom oberen Ende 1. Hand entfernt, bei den anderen 7 Finger. Um das Loch herum sind sie beiderseits etwas stärker; da hinein stecken sie den hölzernen Helm, welchen sie mit der einen Hand erfassen, während sie auf das Eisen, das sie an das Gestein halten, mit dem Fäustel schlagen.", (Agricola (01))
Formen und Länge der Bergeisen variierten entsprechend der Verwendung (z. B. Sumpfeisen, Ritzeisen) und der örtlichen Gegebenheiten (z. B. Gesteins- und Erzart).
"Diese Werkzeuge pflegt man größer und kleiner herzustellen, je nachdem es die Umstände erfordern;", (Agricola (01))
Teilweise wurden auch Bergeisen ohne Öhr, sogenannte Handeisen verwendet.
Stumpfe Bergeisen wurden während der Arbeiten gewechselt, indem es vom Helm entfernt und dieser entsprechend dem Öhr des neuen Bergeisens mit dem Tschärpermesser zurechtgeschnitten wurde. Am Ende der Schicht wurden die stumpfen Bergeisen nach Übertage in die Bergschmiede gebracht.
"…; wenn sie stumpf geworden sind, schärfen sie die Schmiede wieder, solange es geht.", (Agricola (01))
Die Bergeisen waren oft mit den Initialen der der Bergleute oder der Gruben versehen, um diese beim Bergschmied unterscheiden zu können.
Zum Transport der Bergeisen wurde über die Schulter getragene Riemen (anfänglich aus Leder, später Eisenriemen) verwendet, auf denen die Bergeisen aufgefädelt wurden. Die Anzahl der mitgeführten Bergeisen war abhängig von der Art der Arbeit und den lokalen Verhältnissen.
Die Schlägel- und Eisenarbeit hinterließ im Gebirge charakteristische Vortriebsspuren (Prunen), aus denen sich auch die Vortriebsrichtung erkennen lässt.
unter/vor dem Eisen arbeiten bedeutet, dass das Bergeisen auf die Fläche gesetzt wird und der Schlag nach unten oder zur Seite erfolgt. Bei über dem Eisen arbeiten wird das Bergeisen so angesetzt, dass der Schlag von unten nach oben erfolgt.
"Da nun, muß man untersuchen, ob sich selbiges [Gestein] über, oder unter das Eisen, am besten gewinnen lasse. Hierunter verstehen die Bergleute gewisse Anführung derer Berg-Eisen. Was übers Eisen gehet, stuffet der Häuer, weil er oben darauf sitzet, gegen sich zu, los, welches bey dem Verschrämen, derer Gänge oft geschicht, …. Unter das Eisen aber wird genannt, was der Bergmann mit dem Schlage vor sich hin von oben nieder loshauet, ….", (Kern (21))