Biwak
Das Biwak
Ein Biwak wird eingerichtet, wenn auf Hilfe von außen gewartet werden muß, oder vor dem Transport nach draußen noch längere Schonung erforderlich ist. Es muß so eingerichet sein, daß für den Verletzten physisch und psychisch die bestmöglichen Bedingungen geschaffen werden.
Physisch: es muß außerhalb der Gefahrenzone liegen, an einer möglichst warmen, trockenen, tropfwasserfreien Stelle, zugfrei aber mit guter Bewetterung. Sehr gut macht sich ein Zelt aus drei oder mehr Rettungsdecken und etwas Schnur oder Seil, welches gegen Kälte und Feuchtigkeit isoliert und gleichzeitig dem Verunfallten den Blick auf die für ihn meist düstere Umgebung einschränkt. Wichtig sind, wenn die Verletzung dem nicht entgegensteht, ausreichend Essen und Getränke, möglichst erwärmt. Auch der warme Karbidentwickler ist eine wohltuende Wärmequelle. Wenn vorhanden, ist der Verunfallte mit trockenen Sachen zu versorgen, falls seine Bekleidung keinen ausreichenden Kälteschutz gewährt, wird die Bekleidung der anderen Befahrer geplündert. Für ein bequemes Lager ist zu sorgen, welches nach unten so gut wie möglich wärmeisoliert wird - Seile, Schleifsäcke, Wechselsachen verwenden. Alle hier aufgezählten Materialien gehören auch zur ersten Fuhre, die ein Hilfstrupp mit nach unter Tage bringt.
Fast noch wichtiger als das physische Wohlergehen ist die psychische Betreuung des Verunfallten. Oberstes Gebot ist die ständige Anwesenheit einer Kontaktperson, die bis zur endgültigen Rettung über Tage möglichst nicht wechseln sollte. Alles, was den Verunfallten belasten könnte, ist von ihm fernzuhalten. Wenn es die Situation erlaubt, sollte man ihn vom Unfall ablenken – mit Gesprächen über andere Themen kann das gelingen, oder mit Basteleien und Verbesserungen am Zelt, aber nichts übertreiben. Viel zum psychischen Wohlbefinden trägt eine möglichst helle Beleuchtung bei – auch dafür leistet ein Zelt aus Rettungsdecken beste Dienste. Eine im Zelt brennende Kerze wirkt als Wärme- und Lichtspender und durch das vermittelte Geborgenheitsgefühl Wunder. Der Verunfallte ist munter zu halten, solange sein Zustand noch labil erscheint, einmal eingeschlafen schwinden seine Chancen erheblich.
Schuldfragen und dergleichen werden nicht angeschnitten oder ein vom Verunfallten dazu begonnenes Gespräch abgebogen. Der Verlauf der Rettung und der Zustand des Verletzten werden zwar wahrheitsgemäß, aber positiv–optimistisch dargestellt. Sind jedoch Entscheidungen zu treffen, die für den Verunfallten persönliche Folgen haben, wie die Entscheidung über das Alarmieren der offiziellen Strecke, hat in jedem Fall der Verletzte die ausschlaggebende Stimme.