Knoten
Von der christlichen Seefahrt bis zum Schnürleibchen gibt es viele hundert gute Knoten, für jeden Fall einen optimalen. Kein Mensch kann die sich alle merken, aus der Hand beherrschen und mit einem kurzen Blick feststellen, ob der jeweilige Knoten des Vordermanns richtig liegt oder nicht. Daher beschränkt man sich am Anfang zweckmäßig auf den universalen Achterknoten, mit dem man jede Situation bewältigt. Später kann man sich dann noch für Sonderfälle elegantere Lösungen zurechtlegen, aber viele werden es nicht sein. Zum Achter kommt noch der Bandschlingenknoten, der Prussikknoten aus dem Kapitel Seilklemmen und der Halbmastwurf-Sicherungsknoten HMS aus dem Kapitel Klettertechnik. Diese drei aus dem Handgelenk und im Dunkeln beherrscht, kann in Sachen Knoten nichts mehr schiefgehen.
Der Achterknoten
Der Achterknoten entspricht dem normalen Schnürsenkelknoten (Fachjargon: Sackstich) mit einer zusätzlichen Windung. Diese verhindert, daß sich der Knoten gar zu sehr festzieht und zum gordischen Knoten wird. Zusätzlich soll er noch Festigkeitsvorteile gegenüber dem Sackstich haben, die Reißfestigkeit des Seils wird nicht so stark reduziert. Die Bauanleitung für das Einfachseil liefert Bild Abbildung 134. Eine Schlaufe, zum Beispiel zum Einhängen eines Karabiners, erhält man am einfachsten, wenn man statt in’s Einfachseil den Knoten vor die Schlaufe des Doppelseils setzt. Bedingung für sicheren Halt des Knotens ist, daß der Überstand der Seilenden mindestens dem 12- bis 15fachen Seildurchmesser entspricht, sonst kann das Ende beim Setzen des Knotens infolge der ersten Belastung schon durch die erste Windung hindurchrutschen. Der Achter im Doppelseil ist auch ein ausreichender Endknoten.
Die Notwendigkeit, die Schlaufe auch mal um einen Baum zu bringen, führt zur Bekanntschaft mit dem gesteckten Achter, der dem Knotenden bereits anerkennende Blicke des Nonknotologen einbringt. Abbildung 134 zeigt, wie’s gemacht wird. Nach diesem Prinzip kann man jeden beliebigen Knoten auch in einer gesteckten Form fabrizieren - einfach immer parallel das Seil von hinten wieder durchführen.
Den in Bild Abbildung 135 gezeigten zusätzlichen Sicherungsknoten (einfacher Sackstich ums Seil) muß man bei genügend Seilüberstand und normaler Verwendung des Achterknotens nicht setzen. Er wird verwendet als zusätzliche Sicherung bei sehr steifen oder verlehmten Seilen (rutschen eher durch), bei Seilüberstand an der Grenze des Erlaubten, bei der Verwendung des Achterknotens zur Seilverbindung und überhaupt wenn man das Gefühl hat, daß ein Knoten mehr auch nicht schaden könnte.
Generell wird ein Knoten immer in der Richtung belastet für die er gedacht ist, sonst können sich merkwürdige Dinge ereignen. Der Achterknoten ist jedoch auch in dieser Beziehung gutmütig und verträgt auch eine Belastung wie in Abbildung 136 links, wodurch er sich hervorragend für Quergänge oder zur Seilführung eignet. Voraussetzung ist, daß bei einer eventuellen Lockerung und Durchrutschens des Knotens kein ernsthaftes Problem auftritt. Dagegen wird er zum Schließen von Schlingen oder zur Seilverbindung keinesfalls in dieser Form eingesetzt!
Bandschlingenknoten
Für Bandschlingen ist der Achter nicht praktikabel, hier setzt man einen Bandschlingenknoten (gesteckten Sackstich) nach Abbildung 138 und hat das Problem, daß man ihn nicht wieder aufbekommt. Hier hat der Knoten auf jeden Fall in Belastungsrichtung zu sitzen (Abbildung 137 links), alles andere ist räudig und unsicher!
Spierenstich und Mickey Mouse (Hasenohrenknoten)
Nach dem Achter und dem Bandschlingeknoten noch zwei Zugaben für die, denen diese zwei Knoten sicher von der Hand gehen. Man kann den gesteckten Achterknoten wie in Abbildung 168 (oder Abbildung 167) gezeigt zur Seilverlängerung einsetzen, solange es sich um Seile mit gleichem Durchmesser und sonst gleichen Eigenschaften handelt. Zu Seilverlängerungen besser geeignet ist jedoch der Spierenstich, bei welchem die Seilumlenkungen günstiger sind und der vor allem auch Seile mit ungleichen Eigenschaften (gering differierende Durchmesser, harte und weiche Seile) sicher verbindet, was ja bei Seilverlängerungen entscheidend ist. Einmal belastet, zieht er sich gnadenlos fest, ein Durchrutschen kommt noch weniger vor als beim Achter (das rächt sich dann beim Aufknoten). Die Bauanleitung liefert Abbildung 139.
Einen sehr schönen Knoten zur Seilaufhängung und -justage an zwei Punkten noch als Schmeckerchen: Die Mickey Mouse (Hasenohrenknoten), eine Variante des Achterknotens in Abbildung 140.
Ein kluger Bergsteigerspruch zum Abschluß des Themas: „Jeder gute Knoten ist schön, aber nicht jeder schöne Knoten ist gut!“. Die Moral: man lege saubere Knoten mit paralleler Seilführung und so zurechtgedrückt, das auf den ersten Blick erkennbar ist, welcher Knoten das sein soll. Das kostet zunächst Mühe, aber der Hintermann und man selber kann sie leicht kontrollieren, und sie lösen sich nach der Belastung oft leichter. Die zweite Moral: Man setzt unter Tage nur Knoten ein, die man wirklich beherrscht und die sicher halten, auch wenn andere schöner aussehen - einen Weberknoten oder ein Sackstich mit Schleife kann jeder für seinen Befahrungskrempel verwenden, als Seilaufhängung bereichern sie höchstens die Unfallstatistik.