Stollen und Strecken

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Stollen (auch Stolln oder Stölln, Einzahl der Stollen oder Stolln) sind mehr oder weniger horizontal verlaufende, schlauchförmige Grubenbaue mit einer Tagesöffnung und Gefälle nach außen. Sie sind wohl die Art unterirdischer Hohlraum, auf die man im Gelände am meisten aufmerksam wird und auch als erste Befahrungsziele auswählt. Als Strecken bezeichnet man im Gegensatz dazu alle nahezu horizontalen Baue, die keine Tagesöffnung besitzen, von der Gestalt aber einem Stollen gleichen.

Der sprachliche Gebrauch dieser beiden Begriffe ist oft unscharf, da zum Beispiel auch seitliche Abgänge (die strenggenommen eigentlich Strecken sind) von einem zu Tage ausgehenden Stollen als solcher bezeichnet werden, wenn damit die gesamte Sohle des Stollens (und damit sein Entwässerungsniveau) gemeint ist. Neben der durch die Stollensohle(n) vorgegebenen horizontalen Gliederung eines Grubenbaues ergaben sich auch aus der Abbautechnologie weitere Untergliederungen. Diese wurden als Sohlen schlechthin oder als Gezeugstrecken bezeichnet und meist numeriert. Die „halbzweite“ Sohle beziehungsweise Gezeugstrecke liegt dabei zwischen der ersten und zweiten Gezeugstrecke, die Nummerierung der beginnt unterhalb der (zum Benennungszeitraum gültigen) Hauptstollnsohle, in absteigender Tiefe: halberste, erste , halbzweite und so weiter.

Das Profil einer Strecke oder eines Stollens ist die rechtwinklig zum Verlauf („Streichen”, siehe Streichen eines Ganges) des Grubenbaues vorhandene Querschnittsfläche, deren Größe und Gestalt charakteristisch für den Zeitraum der Anlage des Grubenbaues ist (vergleiche auch Abbildung 63). In Abbildung 10 sind verschiedene Begriffe zu Stollen und Strecken erläutert.

Daneben gibt es noch die ebenfalls horizontal verlaufenden Röschen. Röschen sind untertägige, zur Weiterleitung von Betriebswasser aufgefahrene Hohlräume. Sie versorgten zum Beispiel Wasserräder mit dem nötigen Betriebswasser (Aufschlagrösche) oder führten das genutzte Wasser ab (Abzugsrösche). Ein unter Tage geführtes Teilstück eines Grabens der bergmännischen Wasserwirtschaft ist ebenfalls eine Rösche. Entsprechend haben Röschen ebenfalls meist eine, gelegentlich zwei und nur selten keine Tagesöffnung (wenn das von einem Rad schon genutzte Wasser einem weiteren Wasserrad unter Tage zugeführt wird) und dienen oft als Zugänge zu bergbaulichen Anlagen. Das als Steinschleuse gesetzte Wassergerinne vom Stollnmundloch in die Vorflut wird ebenfalls als Rösche bezeichnet.