Unser Anliegen
Über etliche hundert Jahre war der Bergbau die wirtschaftliche Grundlage des Lebens in vielen Regionen. Er trieb nicht nur die wissenschaftliche Forschung und technische Entwicklung voran, sondern prägte und prägt auch die Kultur von ganzen Regionen.
Bis heute werden der Bergbau und dessen Hinterlassenschaften bei Teilen der Bevölkerung und leider auch bei einigen Mitmenschen an kleineren und größeren Schaltstellen der Macht als Gefahr angesehen und entsprechend behandelt. Die ist oft auf fehlende Kenntnisse zurückzuführen, ohne den Beteiligten da einen unmittelbaren Vorwurf zu machen. Anders sieht es da aber bei mancher schlecht recherchierter journalistischer Veröffentlichungen aus, die leider meist zur Verunsicherung der Bevölkerung statt zu deren Aufklärung beitragen. Inzwischen findet aber auch ein Umdenken statt. Man wird sich der historischen Bedeutung des Bergbaus bewusst, nimmt sich dessen Erbe an und erkennt auch dessen Bedeutung (z. B. Hochwasserschutz).
Abseits von Bergparaden, Schaubergwerken und durchgestylten Tourismuskonzepten kämpfen zunehmend engagierte Bürger ehrenamtlich um die Erforschung und Erhaltung von über- und untertägigen Zeugnissen der Montanindustrie. Das ist nicht immer einfach und erfordert neben verständnisvollen Familienangehörigen auch einen großen zeitlichen und finanziellen Einsatz. Mancherorts ist dieser Prozess leider auch mit (unnötig) viel Bürokratie verbunden, weil die entsprechenden Gesetzgebungen der (Bundes)Länder es so wollen und teilweise ist untertägige Forschung sogar verboten.
Aber auch hier ändern sich die Zeiten. Die zuständigen Ämter haben das Potential entdeckt, was in der Erforschung und Erhaltung von Bergbauzeugnissen steckt und die Bürger und Vereine ehrenamtlich liefern. Man geht aufeinander zu, redet miteinander und beseitigt so manche Vorurteile, was der Sache durchaus dienlich ist. Inzwischen gibt es auch gemeinsame Veranstaltungen und Kooperationen zum gegenseitigen Vorteil – eine durchaus positive und sehr begrüßenswerte Entwicklung.
Die ehrenamtlichen Forscher versuchen als Einzelpersonen oder im Verein organisiert, die Bergbaugeschichte zu bewahren und diese lebendig zu halten. Es ist keine einheitliche Gruppe, und im weiten Feld zwischen Archivarbeit, Feierabend-Bierverein in Bergbauuniform und Befahrern sind genügend Reibungspunkte und Platz für gegensätzliche Ansichten.
Gerade bei der Erkundung und Dokumentation von untertägigen Anlagen scheiden sich die Geister. Die landläufige Meinung über Befahrungen und Befahrer ist, dass sich bei Nacht und Nebel mehrere bekloppte Finsterlinge mit Rucksack und Taschenlampe im Wald treffen, irgendwo ein Mundloch aufgraben, einfahren und ihre unstillbaren Gelüste nach Mineralien befriedigen, die dann teuer verkauft werden. Im Bergwerk soll es auch sehr gefährlich, ständig rieselt Gestein herunter und die Gruppe ist nach der Befahrung oft nicht mehr vollzählig, da Leute in Schächte fallen, im Wasser ersaufen sowie von Steinen oder Konkurrenten erschlagen werden. Und dann ist da noch der Berggeist...! Der größte Unsinn wird gern geglaubt, wenn er nur unter einer fetten Schlagzeile in der Boulevardpresse steht. Dies ist mitnichten so, denn kein Befahrer geht wissentlich ein unnötiges und unkalkulierbares Risiko ein. Analog zu den speläologieschen Forschungen gelten auch bei der montanhistorischen Forschung Verhaltensregeln, die das Risiko minimieren und die Erfolge maximieren.
Wir wollen mit diesem Befahrerhandbuch über die Arbeitsmethoden aufklären und neuen Interessenten die Möglichkeit zu geben, Kenntnisse, die bisher nur über Flüsterpropaganda verbreitet wurden, nachzulesen. Es enthält Basiswissen auf vielen Gebieten, die als Grundkenntnisse für jeden dienlich sein sollten, in welcher Form er sich auch mit dem Bergbau befasst.
Die hier wiedergegebenen Erfahrungen sammelten wir vorrangig im Altbergbau Sachsens, Thüringens, Böhmens und im Harz, darum wird in der Regel von den Verhältnissen des Erzbergbaus ausgegangen. Selbstverständlich ist es uns nicht möglich, das Thema Altbergbaubefahrung erschöpfend abzuhandeln, darum sei jeder Leser aufgerufen, sich seine eigenen Gedanken zum hier Niedergeschriebenen zu machen und gegebene Hinweise an die speziellen Verhältnisse seines Arbeitsgebietes anzupassen. Nachdem über Höhlenforschung schon seit vielen Jahren immer wieder in verschiedenen Ländern regelrechte Anleitungsbücher, neben wissenschaftlichen Veröffentlichungen vor allem über Klettertechniken und Sicherheitsfragen, erscheinen, soll das Befahrerhandbuch auf dem Gebiet Altbergbauforschung ein entsprechendes Pendant darstellen.
Nicht zuletzt hoffen wir, durch die allgemeinverständliche Darstellung auch nicht unmittelbar mit dem Bergbau Befasste zu erreichen, Verständnis für die Altbergbauforschung beim „Normalbürger“ zu wecken und so auch die Haltung mancher zuständiger Behörden gegenüber diesen Fragen positiv zu verändern. Was wir nicht wollen ist, „mine-rumbling“ als neue Fun- und Trendsportart zu installieren oder Befahrungen mit mehr oder weniger kommerziellen Hintergründen fördern.
Jedem „Neuling“ in der Untertageforschung möchten wir nicht nur die ausführliche Lektüre des Befahrerhandbuches nahelegen, sondern auch eine Kontaktaufnahme mit entsprechend Gleichgesinnten oder örtlichen Vereinen. Eine gute Möglichkeit dazu bietet auch das Forum auf http://www.untertage.com.
GLÜCK AUF!